An Demenz erkrankte Menschen
Persönlicher Erfahrungsbericht über den Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen
In meiner Zeit im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen habe ich viele unterschiedliche und sehr prägende Erfahrungen gemacht.
Besonders aufgefallen ist mir, wie verschieden sich diese Krankheit bei den einzelnen Personen äußert und wie unterschiedlich sie die Betroffenen in ihrem Alltag beeinflusst.
Einige der Menschen, die ich kennengelernt habe, verfügen trotz ihrer Erkrankung noch über ein sehr gutes Gedächtnis für die Vergangenheit.
Sie erzählen oft ausführlich von früher, von ihrer Kindheit, ihrer Familie oder ihrem Beruf, vom 2. Weltkrieg.
Diese Gespräche wirken häufig sehr klar und strukturiert, fast so, als wäre die Krankheit in diesen Momenten kaum spürbar.
Ich erinnere mich an Situationen, in denen Betroffene mit leuchtenden Augen von Erlebnissen aus ihrer Jugend berichtet haben.
In solchen Momenten entsteht eine besondere Verbindung, weil man merkt, wie wichtig ihnen diese Erinnerungen sind. Sie geben ihnen Halt, Orientierung und ein Gefühl von Identität.
Gleichzeitig habe ich aber auch Menschen erlebt, bei denen genau diese Erinnerungen kaum noch vorhanden sind.
Sie können sich oft nicht mehr an wichtige Abschnitte ihres Lebens erinnern oder erkennen sogar vertraute Personen nicht mehr wieder.
Das ist sowohl für die Betroffenen als auch für die Angehörigen sehr belastend. Trotzdem habe ich festgestellt, dass viele von ihnen noch stark im Hier und Jetzt leben.
Sie reagieren auf ihre Umgebung, nehmen Stimmungen wahr und können sich oft an das erinnern, was gerade passiert oder vor kurzer Zeit geschehen ist.
In diesen Situationen ist es besonders wichtig, ihnen Sicherheit zu geben und sie nicht mit zu vielen Informationen zu überfordern.
Was mich persönlich besonders berührt hat, ist der ständige Wechsel zwischen Klarheit und Verwirrung.
Manche Betroffene wirken in einem Moment völlig orientiert und im nächsten Moment unsicher oder verloren.
Das hat mir gezeigt, wie wichtig Geduld und Einfühlungsvermögen im Umgang mit ihnen sind.
Es bringt wenig, sie zu korrigieren oder auf Fehler hinzuweisen, vielmehr hilft es, ihre Wahrnehmung ernst zu nehmen und sie dort abzuholen, wo sie sich gerade befinden.
Ich habe auch gelernt, wie bedeutend kleine Dinge sein können, ein freundliches Gespräch, ein Lächeln oder einfach nur da zu sein.
Oft sind es diese einfachen Gesten, die den Betroffenen Sicherheit und Vertrauen geben.
Gleichzeitig fordert der Umgang mit Demenzkranken auch emotional, da man immer wieder mit Verlust, Veränderung und manchmal auch Hilflosigkeit konfrontiert wird.
Rückblickend haben mich diese Erfahrungen nicht nur im Umgang mit anderen Menschen geprägt, sondern auch persönlich wachsen lassen.
Ich habe gelernt, geduldiger zu sein, besser zuzuhören und mehr Verständnis für die Lebensrealität anderer zu entwickeln.
Vor allem aber habe ich verstanden, dass jeder Mensch, unabhängig von seiner Erkrankung, Respekt, Würde und Aufmerksamkeit verdient.
Diese Zeit hat mir gezeigt, wie wichtig Menschlichkeit im Alltag ist und wie viel einfühlsamer Umgang bewirken kann.
Durch diese zahlreichen Erfahrungen kann ich heute deutlich besser mit diesen Kunden umgehen.
Ich weiß genau, wie ich sie ansprechen und mit ihnen umgehen muss. Dabei trete ich nicht überheblich auf, sondern profitiere von dem, was ich gelernt habe, insbesondere im Umgang mit neuen Kunden.
